NSSI – nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten

/Liebe Mitglieder der Kompetenzgruppe,

nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten (NSSI; non-suicidal self-injury) umfasst beispielsweise das (Auf-)Kratzen, Verbrennen oder Ritzen der Haut, das Schlagen und Beißen des eigenen Körpers oder das Ausreißen von Haaren. Es dient häufig der Emotionsregulation (z. B. Umgang mit inneren Schmerz, Selbstbestrafung) und tritt oft mit psychischen Belastungen oder Störungen auf. Die globale Lebenszeitprävalenz für Kinder und Jugendliche liegt bei 22 Prozent, mit höheren Raten in Entwicklungsländern als in Industrieländern.

Ein Umbrella-Review (im Anhang) beschäftigte sich mit der Identifikation von Risikofaktoren von NSSI, weil einige NSSI-Formen schwer zu entdecken sind bzw. gut von Betroffenen versteckt werden. Die Risikofaktoren (n = 43; Tabelle 1 im Anhang) wurden in Kategorien und anhand ihrer Evidenzstärke zusammengefasst. Ich berichte hier nur die Odds Ratio jener Faktoren, die eine hohe Evidenz- und Effektstärke aufweisen:

Individuelle Risikofaktoren:

  • weibliches Geschlecht (OR = 1.26)
  • Identifikation mit einer sexuellen Minderheit (OR = 4.12)
  • mehrere Verhaltensprobleme, z. B. Alkohol- und Drogenkonsum, Weglaufen (OR = 1.99)
  • psychische Erkrankung (OR = 1.86)

Familiäre Risikofaktoren:

  • Misshandlung (OR = 2.57)
  • Vernachlässigung (OR = 2.28)

Schulische und soziale Risikofaktoren:

  • Schul-Absentismus (OR = 2.14)
  • Opfer von Mobbing (OR = 2.98)

Die Autor:innen sprechen sich für eine umfassende Prävention aus, die sowohl Schulpsychologie, pädagogische Leitfäden, Unterricht zur mentalen Gesundheit und Weiterbildungen für Pädagog:innen, um Anzeichen von NSSI besser erkennen zu können, umfasst. Aber auch im Familiensystem sollten Weiterbildungsformate für Eltern oder therapeutische Angebote gesetzt werden. Sie weisen auch darauf hin, dass speziell soziale Medien zur Erhöhung von NSSI führen können. Auf sozialen Medien teilen Betroffene ihre Perspektiven und persönlichen Erlebnisse mit NSSI. Ein häufiger Konsum dieser Inhalte führt zu einem Effekt namens „Echo Chamber“, sodass man durch die Algorithmen nur noch mit einseitigen, bestätigenden NSSI-Inhalten konfrontiert wird und andere Perspektiven und kritische Stimmen nicht mehr vorgeschlagen bekommt.

Lieber Gruß,

Lukas Teufl

Dr. Lukas Teufl

Health Expert
Evidenz und Qualitätsstandards

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